Hallo ihr Liebsten,
ich habe lange nichts vorn mir hören lassen und das tut mir sehr leid. Ich war einfach extrem mit Wohnungssuche, Freunde finden und Uni managen beschäftigt. Nach einer Woche Glasgow habe ich diese drei Dinge mehr oder weniger gut hingekriegt und finde nun endlich die Zeit, meine Erlebnisse niederzuschreiben. Aber wo fange ich an?
Am besten am Anfang. Die erste Woche in Glasgow habe ich in dem besagten Hostel verbracht und zwar in einem 14-Bett-Zimmer. Bis auf zwei Nächte, die ich mit einer Gruppe grölender, rüpelhafter, respektloser Spanier verbringen musste, war es okay. Ich hatte natürlich wenig Rückzugsmöglichkeiten und bin deshalb umso happier, jetzt eine Wohnung gefunden zu haben. Sie liegt nicht weit von der Uni entfernt und ist einigermaßen okay. Etwas klein und heruntergekommen, aber für drei Monate aushaltbar. Es ist einfach unbeschreiblich, was einem hier so als Wohnung zum Preis von 300 Pfund angeboten wird. Das sind absolut heruntergekommene Baracken, in Stadtteilen, wo einem die besoffenen Fußballfans vor die Haustür kotzen. Ihr könnt euch vorstellen wie frustierend die Wohnungssuche hier war. Deshalb habe ich meine jetztige Wohnung einfach genommen, auch wenn ich mich hier nicht ganz wohl fühle. Ich teile sie mit einem asiatischen Pärchen. Die beiden haben letztes Jahr ihren Abschluss an der Uni in Glasgow gemacht. Sie sind ganz nett, aber da ich selten zu Hause bin, bekommen wir nur wenig voneinander mit.
Die Uni ist ganz cool. Ich habe ein paar Bilder vom Unigebäude gepostet, um vor allem die Konstanzer Studenten neidisch zu machen. Ja…kein Vergleich zu unserem Raumschiff. Hier wurden sogar ein paar Szenen aus Harry Potter gedreht. Ich muss allerdings zugeben, dass nicht alle Gebäude so schön sind. Auf dem Campus gibt es auch einige hässliche Betonbauten. Ich werde niemlas verstehen, dass es jemals eine Zeit gab, in der so etwas als ästhetisch empfunden wurde.
Meine Kurse an der Uni sind englische Literatur, schottische Literatur und Kunstgeschichte. Ich drufte bei allem nur die Einführungskurse belegen, was aber okay ist. Dier Herangehensweise ist ganz anderes als in Deutschland/Konstanz. Weniger strukturiert, mit wechselnden Dozenten. Außerdem ist es viel mehr praxisorinetiert, sodass man von Anfang an direkt an ausgewählten Texte und Romanen arbeitet. Das bedeutet natürlich eine mega reading list. Ich muss in den nächsten 10 Wochen 10 Romane lesen. Von Shelley’s Frankenstein bis hin zu Jane Austen’s Emma ist alles dabei. Es macht Spaß, ist aber ne viel Arbeit. Für Kunstgeschichte darf ich mal wieder lauter Kunstwerke mit Künstler und Datum auswendig lernen. Und ich dachte ich hätte das hinter mir gelassen…
Viel mehr kann ich noch nicht sagen. Es ist etwas komisch mit lauter Erstis zusammenzusitzen, da ich ja mittlerweile 22 bin und die meisten der Briten erst 18. Vier Jahre machen irgendwie doch schon was aus. Hätte ich nicht gedacht. Apropros: ihr glaubt nicht, wie die jungen Mädels hier rumlaufen. Ich war schockiert. Und ich bin ja nicht prüde. Einen Abend bin ich ausgegangen und konnte meine Kinnlade nicht mehr schließen, beim Anblick der mega-kurzen Röcke, ultra-engen Kleider und unglaublich hohen Absätze. Ich werde mal ein paar Fotos schießen. Auf jeden Fall komme ich mir vor wie so ne Lodder-Oma, mit meinen flachen Turnschuhen und Jeans. Kein Mädchen, wirklich kein Mädchen trägt hier zum Ausgehen Jeans.
Zum Gkück habe ich Heather kennegelernt. Sie ist 26, kommt aus Kanada und studiert Jura. Sie ist auf jeden Fall auch eher der bodenständige Typ und gemeinsam machen wir uns über die sogenannten dolls (der Nuttenstil is ein typisches UK-Phänomen) lustig. Ich verstehe mich super mit ihr und wir machen allerhand zusammen, sei es Museumsbesuche, Essen gehen oder Filme gucken. Heute waren wir in Edinbourgh, was nur 45 Minuten von Glasgow entfernt liegt. Die Stadt ist auf jeden fall viel schöner: direkt am Wasser gelegen, tolle Architektur und einige kleine Berge befinden sich gleich nebenan. Trotzdem mag ich Glasgow lieber. Es ist ein bisschen “rougher”. Ne richtige Arbeiterstadt halt. Aber mir gefällt das. Auf jeden Fall gibt es viele Bars und ein tolles Nachtleben.
Es gibt sicher noch viel mehr zu erzählen, aber ich mache mal an dieser Stelle schluss. Muss ja noch viel lesen heute Abend ![]()
In Zukunft werde ich versuchen, einmal pro Woche nen Bericht zu erstatten. Ich hoffe euch allen geht es gut. Scheut euch nicht, mir zu schreiben und von eurem Leben zu berichten. Ich freu mich drauf!


